Zu Inhalt springen

Der Fall des dreckigen Abwasch: Kostenloses Spültuch für Nerds.

Endet in
00
Tage :
00
Std. :
00
Min. :
00 Sek.

Completed

Die drei Spülbürsten und der dreckige Abwasch: Wie wir uns mit Kosmos vor Gericht gestritten haben

Die drei Spülbürsten und der dreckige Abwasch: Wie wir uns mit Kosmos vor Gericht gestritten haben

Vor ungefähr zwei Jahren hatten wir eine unserer Meinung nach ziemlich coole Idee: Ein Geschirrtuch mit Aufdruck "Die drei Spülbürsten und der dreckige Abwasch", gestaltet wie ein Cover der berühmten Buchreihe "Die drei Fragezeichen". Fans der Reihe muss ich den Witz dahinter denke ich nicht erklären.

Dass wir uns damit rechtlich in einem Graubereich bewegen, war uns bewusst. Wir haben uns deshalb vorab beraten lassen. Das Ergebnis: Bei Markenparodien ist die Rechtslage nicht eindeutig, das kann so oder so ausgehen. Wir haben uns entschieden, es zu versuchen.

Das Geschirrhandtuch hat sich gut verkauft. Sehr gut sogar. Bis März 2025 ein Brief von einem Münchner Anwalt bei uns im Briefkasten lag.

Die Abmahnung und warum wir Nein gesagt haben

Eine Abmahnung ist im deutschen Recht die formelle Aufforderung, ein bestimmtes Verhalten zu unterlassen. Wer sich dem unterwirft, verpflichtet sich bei jedem weiteren Verstoß zur Zahlung einer Vertragsstrafe. Wer nicht unterschreibt, riskiert eine Klage.

Die Anwaltskanzlei von Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG fand, dass unser cooles Geschirrhandtuch die Marke "Die drei ???" von Kosmos verletzt und forderte uns auf, den Vertrieb einzustellen.

Wir haben abgelehnt.

Unser Anwalt war der Ansicht, dass es sich bei unserem Produkt um eine erlaubte Markenparodie handelt - geschützt durch die Kunstfreiheit nach Art. 5 Abs. 3 Grundgesetz - und wir haben Kosmos daher einfach mal eiskalt gebeten, uns zu verklagen, wenn sie das anders sehen. 

Ein bisschen Angst hatten wir dabei ehrlich gesagt schon: Immerhin sind wir ein ziemlich kleines Unternehmen mit gerade mal 10 Mitarbeitern und Kosmos ist alles andere als ein kleiner Gegner. So ein Gerichtsstreit kann bis in die letzte Instanz auch mal 50.000€ oder sogar noch mehr kosten, wenn man verliert, und das wäre für uns schon ziemlich bedrohlich. Auf der anderen Seite wollten wir aber auch nicht einfach so nachgeben, nur weil wir das kleinere Unternehmen sind.

Was ist eigentlich eine Markenparodie? Das Rechtliche

Hier wird es kurz juristisch, aber ich verspreche: es ist interessanter als es klingt. Du kannst den Absatz aber auch einfach überspringen, wenn dich das nicht interessiert.

Im deutschen Markenrecht ist es grundsätzlich verboten, eine bekannte Marke ohne die Erlaubnis des Rechteinhabers zu benutzen. Wer das trotzdem tut, kann auf Unterlassung und Schadensersatz verklagt werden.

Aber: Das Grundgesetz schützt auch die Kunstfreiheit. Und manchmal kollidieren die beiden. Ein berühmtes Beispiel ist eine Entscheidung des BGH (des höchsten ordentlichen Gerichts in Deutschlands) zur "Lila-Postkarte": Eine Künstlerin hatte eine lila Postkarte mit dem Text "Über allen Wipfeln ist Ruh, irgendwo blökt eine Kuh. Muh! Rainer Maria Milka" verkauft Der BGH entschied: Das ist erlaubt.

Wie ist das aber bei unserem Geschirrhandtuch? Für uns sprach: Unsere Spülbürsten sind keine bloße Kopie der Fragezeichen. Der Witz entsteht durch den Kontrast zwischen dem Erhabenen (Detektivarbeit, Mysterium) und dem Banalen (Abwasch). Und wir bilden die Marke nicht direkt ab, die Fragezeichen haben wir durch Spülbürsten ersetzt. Es gibt also durchaus einen künstlerischen Aspekt.

Gegen uns sprach: Wir hatten in der Produktbeschreibung geschrieben "Geschirrtuch für Fans der drei berühmten Detektive." Das klingt weniger nach künstlerischer Auseinandersetzung und mehr nach gezieltem Fan-Marketing. Das war rückblickend betrachtet eher nicht so nicht klug.

Unser Anwalt meinte deswegen zu uns: Unsichere Sache, kann so oder so ausgehen. 

Die Klage kommt

Tatsächlich passierte nach unserer Antwort an Kosmos Anwalt erstmal sehr lange gar nichts. Bis März 2026 (also grob ein Jahr nach der Abmahnung) dachten wir, dass Kosmos die Sache ignoriert, aber dann lag plötzlich doch eine 28-seitige Klageschrift von Kosmos in unserem Briefkasten.

Wir haben nochmal sehr lange überlegt, wie wir jetzt reagieren: Die 50.000€ standen im Raum, dazu ein jahrelanger Prozess, der emotional aufwühlt und einfach auch viel verlorene Zeit, die man besser verbringen kann als vor Gericht zu streiten. Am Ende stand die Entscheidung, unseren Anwalt mit einer Vergleichsverhandlung zu beauftragen: Uns war natürlich klar, dass das ziemlich sicher bedeutet, dass wir das Geschirrhandtuch nicht weiter verkaufen können. Sehr schade, da wir die Idee weiterhin lieben, aber manchmal muss man Rückschläge hinnehmen.

Letzte Chance

Die Verhandlungen sind inzwischen abgeschlossen. Wir haben uns jetzt mit Kosmos darauf geeinigt, dass wir das Handtuch noch bis Ende September abverkaufen dürfen. Danach ist aber Schluss und wir stellen den Verkauf ein.

Allerdings: Wir haben noch ziemlich viele davon auf Lager und deswegen legen wir jetzt einfach jeder Bestellung auf Wunsch ein kostenloses Handtuch bei.

Und denk dran: Ab dem 1.10. wird es das Handtuch definitiv nicht mehr geben!

Hier kannst du es dir holen.

Interessant fände ich aber durchaus eure Meinung dazu: Wenn ihr Richter wärt, wie hättet ihr entschieden? Dürften wir das Handtuch weiter verkaufen oder nicht? Schreib uns gerne mal deine Meinung in die Kommentare.

Nächster Artikel Ergebnisse unserer Kundenumfrage

Weitere Artikel